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15.01.2020 . Allgemein . Yen Linh Bui

Comic Sans exposed: Sollen wir die Schrift lieben oder hassen?

Die Comic Sans MS – wie wurde die Schrift so erfolgreich, obwohl sie so polarisiert? Gibt es auch positive Seiten der Handschrift-Typo? Was ein Schriftcharakter ist und wie Schriften verwendet werden sollten, erfahrt ihr hier …

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Bevor ich vor einigen Wochen zu 247GRAD gewechselt bin, war ich in einer Werbeagentur mit dem Schwerpunkt Print tätig. Sowohl dort wie auch hier war bzw. ist  Typografie ein immens wichtiger Teil des Grafikdesigns. Nicht nur deshalb hat mich sowohl beruflich als auch privat immer wieder ein Phänomen verfolgt – und ich denke ich bin da nicht die Einzige: Comic Sans MS.

Typografie ist von solcher Bedeutung, da die Wahl der Schrift die Werbebotschaft besser oder schlechter vermitteln kann. Die Auswahl an Schriften ist dabei unüberschaubar, doch trotzdem begegnen wir immer wieder der Comic Sans MS. Aber warum ist die Schrift so erfolgreich? Ob jetzt positiv oder negativ behaftet, sei mal in den Raum gestellt. Ergibt der Einsatz der Schrift für die unterschiedlichsten Produkte überhaupt Sinn?

Bevor ihr alle eure Fackeln und Mistgabeln aus dem Keller raus kramt, um eine mögliche Schrift-Sau durchs Dorf zu treiben, möchte ich dem auf den Grund gehen. Wieso wurde die Comic Sans MS so erfolgreich und wieso ist der Ruf dennoch so negativ behaftet? Ist der Hass berechtigt oder gibt es auch positive Seiten der Comic Sans MS? Was ein Schriftcharakter ist und wann Schriften welche Verwendung finden, erkläre ich euch jetzt.

Throw back thursday …

Wir kennen sie alle und wir hassen sie alle – die Comic Sans MS. Schauen wir uns zunächst den geschichtlichen Hintergrund an, um zu verstehen, wie sie so erfolgreich werden konnte.

Die Schrift wurde 1994 von Vincent Connare für die Software „Microsoft BOB“ entwickelt und war für die Verwendung in Sprechblasen vorgesehen. Die Software soll PC-unerfahrenen Benutzern den Zugang zu Computern erleichtern. Nach Fertigstellung der Schrift stellte sich allerdings heraus, dass der Text nicht in die Sprechblasen passte, sodass die Comic Sans MS vorerst doch nicht zum Einsatz kam. Falls ihr euch jetzt denkt, wieso Connare die Schrift nicht einfach kleiner skaliert hat … nun, das ging eben nicht. Praktisch gesehen ging das schon, doch gehen wir von einem Comic aus, was etwa die Größe ±A5 hat. Hätte man den Text in den kleinen Sprechblasen weiter verkleinert, so hätte man den Text irgendwann nicht mehr lesen können. Ab einer gewissen – kleinen – Größe wären die Zeichen ineinander verschwommen.

Nichtsdestotrotz kam die Comic Sans MS schließlich erstmalig 1995 im 3D Movie Maker zum Einsatz. Seit Auslieferung von Windows 95 gehört die Comic Sans MS zu den Standardschriftarten des Microsoft-Betriebssystems und somit nahm der Spuk seinen Anfang …

Der Grund, wieso wir alle die Comic Sans MS hassen

Die Verbreitung der Comic Sans MS als Standardschriftart hatte die Folge, dass immer mehr Leute Zugang zur Schrift haben. Im Vergleich zu den restlichen Standardschriften hat die Comic Sans MS einen handschriftlichen Charakter – damals etwas vollkommen Neues. Sie wirkt nicht so starr wie die Arial oder so konservativ wie die Times New Roman. Immer mehr Leute haben Freude an ihrer Verwendung gefunden.

Allerdings nahm das überhand und die Comic Sans MS wurde für jegliche Zwecke verwendet. Die Schrift zierte nicht nur Kindergeburtstagseinladungen, Professoren an Universitäten setzten so ganze Präsentationen. Und damit begann der große Albtraum … Der Grund wieso wir alle die Comic Sans MS hassen, ist, weil zu viele Menschen sie einfach zu oft, zudem noch zu oft falsch, verwenden. Was wir als schön oder nicht schön empfinden ist ganz klar eine subjektive Einstellung. Doch die Schrift wurde mit ihrem verspielten, kindlichen Charakter einfach zu oft unpassend verwendet. Nun stellt sich die Frage wie eine Schrift grundsätzlich „korrekt“ verwendet wird und wann dies in unserem Fall mit der Comic Sans MS legitim ist, ohne, dass alle Grafikdesigner direkt der Puls hochgeht.

Abbildung: Die Tür eines Trucks ist mit Typo Comic Sans beschriftet

Quelle: Sylvar / flickr.com

Schriften haben einen Schriftcharakter

Jede Schrift hat aufgrund ihrer Buchstabenform, ihrer Lage oder Strichstärke auf den Leser eine andere Wirkung. Dies ist der Schriftcharakter: So wirken serifenlose Schriften modern und nüchtern auf uns, fette Schriften wirken sehr laut und dominant.

Abbildung: Beispiele von Schriftcharakteren

Unter Berücksichtigung des Schriftcharakters erfolgt idealerweise die Schriftwahl, da das Schriftbild Assoziationen beim Leser weckt. Bezogen auf unser Beispiel hat eine kindliche Handschrift nichts auf Visitenkarten zu suchen, außer es besteht ein Bezug zu einem Kindergarten usw.

Die richtige Schriftwahl

Wann verwendet man nun welche Schrift? Nun, dazu gibt es keine pauschale Antwort, das würde schließlich den kreativen Spielraum jedes Grafikers enorm einschränken. Es gibt unzählige (Free-) Fonts, die ihr passend zum Projekt und Kunden frei nach eurem Designerherz verwenden könnt. Die Welt ist nicht schwarz-weiß, jedoch kann man pauschal sagen, dass im Print-Bereich gerne Schriften mit Serifen und im Online-Bereich serifenlose Schriften verwendet werden.

Serifen bilden eine optisch virtuelle Linie, die das Auge beim Lesen leiten. Die Folge: Der Lesefluss verbessert sich. Habt ihr denn schon mal einen Roman mit einer serifenlosen Schrift gelesen? Wahrscheinlich eher nicht und wenn, dann war es kein 500-Seiten-Roman. Serifenschriften eignen sich besonders bei textlastigen Publikationen wie beispielsweise Büchern oder Magazinen.

Online am Monitor oder auf einem deutlichen kleinen Screen eines Smartphones sieht das Ganze schon ganz anders aus. Feine Serifen lassen sich bei schlechten Monitoren oder auf kleinen Displays nur suboptimal darstellen. Eine schlechte Auflösung des Monitors führt eine Unschärfe mit sich. Zudem können Serifen bei einem weißen Hintergrund verschlungen werden, indem der Hintergrund zu hell ist und diese „überstrahlt“. Textliche Hervorhebungen werden in der Regel mit einem kursiven Schriftschnitt vorgenommen. Auf Monitoren allerdings führt eine Steillage von Schriften zu Sprüngen der Pixel, sodass Antialiasing, eine Kantenglättung, notwendig ist. Durch die Interpolation der Pixel wird das Gesamtbild der Schrift immer verwaschener. Um die Problematik zu umgehen, kommen Online oft serifenlose Schriften zum Einsatz.

Die positiven Seiten der Comic Sans MS

Zurück zum eigentlichen Thema und unserem Problemkind: die Comic Sans MS. Sofern der Schriftcharakter zum Projekt und Kunden passt, spricht an sich natürlich nichts dagegen, die Comic Sans MS zu verwenden – die Schrift selbst ist ja schließlich nicht das Problem. Ich gebe euch ein weiteres Stichwort: Barrierefreiheit.

Typografisch gesehen hat die Comic Sans MS nämlich eine gute Leserlichkeit.

Kurzer Einschub: Lesbarkeit ≠ Leserlichkeit

Die Lesbarkeit beschreibt die sprachliche Gestaltung eines Textes, d. h. wie lässt sich ein Text lesen, verstehen und nachvollziehen? Die Leserlichkeit hingegen bezieht sich auf den typografischen Aufbau aller Zeichen. Eine gute Leserlichkeit begünstigt die Lesegeschwindigkeit.

Generell sind Texte, die kleine Abstände zwischen Zeichen und Wörtern aufweisen, schwerer zu erfassen. Die Comic Sans MS verläuft aus typografischer Sicht recht weit. Das heisst, dass die Buchstaben relativ breit sind und ihr jeden Buchstaben dadurch schnell und einfach erfassen könnt, wie ihr in dem Beispiel unten gut erkennt.

Genau dies ist ein wichtiger Faktor bei der Schriftwahl für legasthene Menschen. Für Betroffene ist es wichtig, Buchstaben gut unterscheiden und schnell erfassen zu können. Oftmals werden einzelne Zeichen in Schriften gespiegelt, sodass z. B. ein vertikal gespiegeltes „p“ ein „q“ ergibt. Bei der Comic Sans MS hingegen ist jeder Buchstabe individuell erstellt worden. Somit sind alle Zeichen unverwechselbar. Die Comic Sans MS entspricht vielen Anforderungen an eine Schrift für legasthene Menschen und ist somit doch gar nicht so übel, wie wir alle dachten … 😉

Vergleich Comic Sans und Times New Roman

Fazit zu Comic Sans

Die Comic Sans MS wurde so erfolgreich, weil sie zur damaligen Zeit eine neue Frische in die Schriftauswahl auf Computer mit sich brachte. Bleibt die Frage: Wieso polarisiert diese Schrift so sehr wie keine andere? Die Comic Sans MS an sich ist nicht das Problem, viel eher aber der übermäßige falsche Einsatz in der Vergangenheit. Viele haben sich daran satt gesehen, wie die Schrift (un-)seriöse nicht nur Plakate oder unzählige Menükarten von Restaurants ziert.

Meine perönliche Meinung: Sofern der Einsatz unter Berücksichtigung des Schriftcharakters erfolgt oder eine Barrierefreiheit für legasthene Menschen gewährleistet werden soll, ist die Verwendung selbstverständlich legitim. Wie ist eure? Schreibt uns gern dazu einen Kommentar unter diesen Artikel.

Falls ihr euch bei der richtigen Schriftwahl unsicher seid, scheut euch nicht davor, uns zu kontaktieren! Wir helfen gerne dabei, eure Werbebotschaften optimal zu vermitteln. 🙂

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