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08.08.2017 . Social Media Marketing . Malte Schreer

Facebook Live mit Spiegelreflexkamera und OBS

Facebook Live wie ein Pro. Mit besserem Streaming für mehr Faszination sorgen...

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Ihr möchtet Facebook Live verwenden, seid aber auf professionellere Qualität angewiesen, so dass die Übertragung über euer Smartphone oder Tablet nicht in Frage kommt? Kein Problem, wir zeigen euch eine von vielen Lösungen, die euren Zuschauer an Rechnern und Mobile Devices große Freude bereiten wird. Die Lösung heißt: Übertragung via Rechner und Spiegelreflex- bzw. Systemkamera bzw. Webcam.

Zunächst einmal kurz die Frage, warum eigentlich der (zugegebenermaßen nicht sehr große) Aufwand?

Es kann sein, dass euch die Qualität mit Smartphone nicht ausreicht, ihr vielleicht sogar unterschiedliche Videoquellen einspeisen wollt oder mehr Möglichkeiten in puncto Sound benötigt. Vor allem bei Outdoor-Aufnahmen stößt man immer wieder schnell an technische Grenzen, weil Variablen wie Sonnenlicht oder die immer wieder wechselnden Windverhältnisse der Übertragung ordentlich den Spaß verderben. Mit großen Linsen und externen Mikros seid ihr da schon deutlich besser aufgestellt.

Eine Frage der richtigen Hard- und Software

Wir arbeiten dabei überwiegend mit unseren MacBooks, Lösungen für andere Betriebssysteme unterscheiden sich aber kaum. Wichtig ist generell nur, dass ihr einen Rechner mit einer zuverlässig starken Internet-Verbindung in euer Vorhaben mit einplant, der als zentrale Schaltstelle das Smartphone oder Tablet ersetzt und vor allem als kleines Schnittzentrum dient. Ob LAN oder WLAN bleibt euch oder den örtlichen Begebenheiten überlassen.

Als Broadcasting-Software setzen wir je nach Anwendung verschiedene Lösungen ein

Für die meisten Einsatzzwecke dürfte das kostenlose Tool OBS Studio vollkommen ausreichend sein: Hier könnt ihr nicht nur nur die audio- und visuellen Spuren live mischen, auch werden euch einige Filter und weitere hilfreiche Tools bereitgestellt. Ihr könnt in Echtzeit mischen und selbst definierte Übergänge anwenden. Zudem verfügt die Studio-Software über einen intuitiv geführten Audio-Mixer mit wichtigen Funktionen wie der Rauschunterdrückung.

Was die Wahl der Kamera angeht, habt ihr die Qual der Wahl

Wir haben, wenn wir unterwegs sind, immer wieder die handlichen LUMIX GH4 von Panasonic mit diversen Objektiven am Set. Damit seid ihr ziemlich flexibel und könnt euch schnell auf die wechselnden Dreh- und Übertragungsbedingungen einstellen. Im Prinzip eignet sich jede DSLR- oder Systemkamera für dieses Vorhaben – besonders beim Einsatz von Teleobjektiven spielt das Equipment seine Stärken aus. Wenn ihr euch bei der Wahl des Objektivs unsicher seid oder möglichst große Freiheiten haben möchtet, seid ihr mit einem Weitwinkel-Objektiv in den meisten Szenarien am besten bedient. Wenn das Licht es zulässt, könnt ihr die Blende herunterstufen, um den Schärfebereich zu erhöhen und sich bewegende Objekte und Personen besser einzufangen. Habt ihr vor, eher einen statischen Dreh wie eine Konferenz zu broadcasten, empfiehlt sich die Mitnahme von Stativen.

Jetzt müsst ihr das Bildsignal eurer Spiegelreflexkamera natürlich noch in den Rechner bekommen

Dank des Trends, Videospiele ins Netz zu streamen, gibt es hier glücklicherweise bereits sehr erschwingliche Lösungen. Eine Elgato Game Capture HD60 oder ein vergleichbares Produkt speist die Aufnahmen ein – das Bild wird in Windows und macOS quasi so gehandhabt wie eine Webcam. Wer eine professionellere Lösung sucht, findet bei Herstellern wie Matrox und Blackmagic eine Vielzahl von Lösungen.

Licht spielt eine große Rolle

Besonders bei eher unbewegten Szenen habt ihr tolle Möglichkeiten, das Bild entsprechend auszuleuchten. Schaut euch bestenfalls im Vorfeld die Lichtbedingungen genau an und macht einen kleinen Testdreh, damit ihr beurteilen könnt, ob die Bedingungen nicht nur ausreichend, sondern ideal sind. Sind sie es nicht, nehmt euch bitte etwas Zeit und setzt euch mit der adäquaten Ausleuchtung auseinander. Hier könnt ihr sehr viel herausholen!

Last but not least: der Ton

Es gibt so viele unterschiedliche Setups wie Sand am Meer. Mindestens! Und gerade dann, wenn ihr mit mehr als einer Kamera-Quelle hantiert, ist der Sound oft von entscheidender Bedeutung. Ansonsten habt ihr möglicherweise schnell Probleme mit der Synchronisation und vor allem unterschiedlichen Pegeln. Bei längeren Sprechsequenzen ist der Einsatz von Ansteckmikrofonen meist zu empfehlen. Ob ihr dann auf Funksysteme oder kabelbasierte Mikros setzt, bleibt euch und dem Vorhaben überlassen. Beide Varianten bieten euch Vor- und Nachteile: Bei größeren zu überbrückenden Strecken sind Kabel meist eher nachteilig; zuverlässige Funkstrecken haben dann aber spätestens beim Preis das Nachsehen. Überprüft daher im Vorfeld genau, worauf es euch bei euren Einsetzen ankommt. Eine einzelne Stereospur könnt ihr mit den meisten Capture Cards direkt einspeisen, ansonsten steht ihr einmal mehr vor der Wahl: Entweder, ihr schließt ein Audio Interface mit mehreren Eingängen an euren Rechner an, oder ihr holt euch einen kompakten Audiomixer und mischt den Ton, bevor er in den Rechner gelangt.

So. Alles angeschlossen? Dann kann es losgehen

Laufen die Bild- und Soundsignale in den Rechner ein, könnt ihr sie recht simpel über die Software vereinen. Mögt ihr es richtig amtlich und lässt es euer Budget zu, baut ihr in euer bislang sehr mobil angelegtes Setup noch einen externen Bildmischer. Wir verzichten darauf, weil es unsere Aufträge meist nicht zulassen und wir darauf achten müssen, mit kleinem Gepäck zu reisen und zu arbeiten.

Auf den Mix kommt es an

Natürlich können wir euch hier schlecht eine Gebrauchsanweisung für alle Software-Möglichkeiten geben. Um aufzuzeigen, dass das Ganze kein Hexenwerk ist, machen wir das gern einmal kurz und knapp und erklären es euch in wenigen Schritten anhand der kostenlosen Software OBS Studio, verfügbar für Mac, Linux und Windows. Nachdem ihr euch die Software installiert (Wählt die 64BIT-Variante, wenn ihr könnt!) habt, kann es auch schon direkt losgehen.

Seid ihr auf dem Gebiet des Broadcastings und Videoschnitts absolute Rookies, wählt bitte unter den Preferences zunächst einmal den allgemeinen Modus aus. Hier stellt ihr erst einmal eure Basics wie Sprache, Erscheinungsbild und so weiter ein. Wenn ihr diese Schritte erledigt habt, seid ihr soweit, dass ihr mit der ersten Übertragung beginnen könnt.

Als nächstes benötigt ihr den Facebook-Schlüssel, um den Stream auf eure Facebook-Seite einzubetten

In der Rubrik Videos, zu denen ihr über die Beitragsoptionen gelangt, klickt ihr bitte oben rechts im Fenster auf „+ Live“ und schon könnt ihr eure „Server-URL“ und den „Stream-Schlüssel“ auslesen. Facebook weist an dieser Stelle nicht umsonst darauf hin, dass ihr gut daran tut, diese Daten nicht an Dritte weiterzugeben. Warum, könnt ihr euch sicher selbst denken. Nun kopiert diese Keys in die entsprechenden Felder bei OBS unter Einstellungen -> Stream in die dafür vorgesehenen Felder.

Jetzt bestimmt ihr auf der Oberfläche eure Szenen

Stellt euch Szenen vor wie die einzelnen Abschnitte eines Films. Hier könnt ihr ein Intro als Vorspann einplanen, einen Hauptteil festlegen und beispielsweise einen Abspann kreieren. Unter Quellen verstehen sich die Kamerasignale, Grafiken, Bilder oder auch z.B. Texte. Diese lassen sich in den einzelnen Szenen zuordnen und in der Regie klasse spielen. Mit dem in der Mitte angelegten Mixer regelt ihr die Lautstärke. Alles klar soweit? Wenn ihr nun rechts auf „Streaming starten“ klickt, startet ihr euer Broadcasting.

Nun ist das Video aber noch nicht innerhalb von Facebook sichtbar. Dazu müsst ihr zurück zum „Live-Video“-Modus, den ihr über die Beitragsoptionen erreicht. Dort müsstet ihr unter „Externes Gerät“ nun bereits ein Vorschaubild sehen. Rechts könnt ihr eurer Übertragung einen Beitragstext verpassen – und beim Klick auf „Live-Übertragung starten“ unten rechts erscheint auf eurer Seite ein Posting. Yeah – ihr seid live!

Übrigens: Selbstverständlich könnt Ihr den Livestream auch planen

Nachdem Ihr den Stream mit einer Broadcasting-Software vorbereitet habt, könnt ihr die Live-Übertragung über eine Seite, eine Gruppe oder ein Event starten. Wählt hier „Live-Stream erstellen“. Mehr Infos dazu findet ihr unter diesem Link: www.facebook.com/live/create.

Unsere Empfehlung

Plant ihr ein Facebook-Live-Streaming über externe Geräte, nehmt euch vorab ein wenig Zeit, um die vielen Features der jeweiligen Software kennenzulernen. Auch OBS Studio geht natürlich weit über die Anwendungen hinaus, die wir euch hier kurz angerissen haben. Macht euch bitte auch vertraut mit dem Kamera- oder Video-Equipment, damit euch während des Streamings keine bösen Überraschungen erwarten. Live habt ihr nur eine Chance – ISO, Blende und Belichtungszeit müssen also stimmen.

All you need is…

Ganz gleich, ob für ein Webinar, eine Konferenz oder einen Livestream euer Wohnzimmerkonzertes – das ist zusammenfassend alles, was ihr dazu wirklich braucht:

  • Kamera
  • Capture Card
  • Rechner
  • Broadcasting Software
  • eine stabile Internetverbindung
  • optional machen Stative die Dreharbeiten einfacher
  • bedenkt die Lichtsituation und Stromversorgung (Verlängerungskabel)

Gut zu wissen: Es gibt auch Lösungen, bei denen ihr auf einen Rechner verzichten könnt. Video Encoder und Streaming Boxen wie das Teradek VidiU senden das Signal direkt an Facebook – zur Steuerung dient beispielsweise ein Smartphone. Eine äußerst benutzerfreundliche Lösung in diesem Segment wird von Livestream.com angeboten.

Abschließend sei noch eins zu erwähnen: Dieser Beitrag macht keinesfalls professionelle Kamera-Teams und Broadcaster überflüssig. Man darf hier nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Aber mit einer Ausrüstung wie hier beschrieben, habt ihr großartige Möglichkeiten, viele Menschen bei Facebook Live nachhaltig zu begeistern.

Autor

Malte Schreer

Malte Schreer
Marketing Manager

Malte Schreer ist großer Fan von Storytelling, weil er es liebt, Zielgruppen mit Visionen und Leidenschaft abzuholen sowie langfristig zu begleiten.

Kommentare

Tilo . 31.08.2017 . 09:39

Hi! Danke für das Tutorial, wie bekommt ihr jedoch das Signal auf OSX zu OBS? Beste Grüße!

Antwort von Malte Schreer . 31.08.2017 . 10:06

Hi Tilo.
Je nachdem was Du vorhast: Du kannst die interne Kamera eines MacBooks, eine USB-Kamera und aber beispielsweise eine Spiegelreflex über eine Capture Card in OBS über „Quellen“ auswählen. Probiere es einfach mal aus, es ist ziemlich einfach und nahezu intuitiv.

Ich hoffe, ich konnte Dir weiterhelfen.

Viel Erfolg und Spaß damit
Malte

Tilo . 31.08.2017 . 10:50

Hey Malte, danke für die schnelle Antwort. Ich nutze auch die Elgato Game Capture HD60, wenn ich jedoch versuche, diese bei den Quellen auszuwählen, taucht sie einfach nicht auf. Das Tutorial nennt ja genau dieses Setup, wie also bekommt ihr das zum Laufen?

Antwort von Malte Schreer . 31.08.2017 . 11:12

Hey Tilo,

gern.

Eine Ferndiagnose abzugeben ist schwierig. 😉 Idee: Hast Du die dazugehörige Software vollständig installiert? Wenn du danach „Spielaufnahme (Syphon)“ als Quelle hinzufügst, müsste die Game Capture eigentlich im Auswahlmenü auswählbar sein. Wenn nicht, liegt eventuell ein technisches Problem vor. In diesem Fall wendest Du Dich bestenfalls an den Hersteller. Mehr kann ich dazu von hier aus leider nicht sagen.

Viel Erfolg und Grüße aus Koblenz!
Malte

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