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26.06.2019 . Social Media Marketing . Felix Bartsch

Einfach besser texten: In 17 Schritten zum perfekten Post

Fürs Texten gibt es kein Patentrezept. Dennoch: Wir öffnen unsere Schatztruhe, zeigen euch unsere persönlichen Prozesse – und machen eure Texte so garantiert besser!

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Ja, gut, wir wissen schon: Tipps fürs Texten auf Social Media sind wie Wie-Vergleiche – jeder hat welche, aber die wenigsten sind gut. Dennoch wird gerne der Anspruch erhoben, der eigene Lösungsweg sei der Heilige Gral des Textens. Dabei ist Texten sehr individuell. Es gibt zwar viel Wissen und auch einige Regeln, am Ende müsst ihr aber natürlich selbst sehen, wie ihr effektiv zum Ziel kommt.

Deshalb machen wir das heute einmal etwas anders. Wir geben euch einfach einen Einblick in unsere Arbeitsweise. Kein Rezept, keine Anleitung, kein Bullshit. Einfach unsere Erfahrungen. Als Agentur für digitale Kommunikation schreiben wir täglich unzählige Social-Media-Posts. Dabei haben sich agenturintern Prozesse entwickelt, die wir selbst in 17 Schritten festgehalten haben. In der Praxis hantieren wir natürlich nicht mit so einer Liste. Aber gerade, um den eigenen Blick zu schärfen, ist es gut, die Prozesse einmal sichtbar zu machen. Und das beste? Wir lassen euch daran teilhaben. Hier nun also unsere 17 Schritte vom Rohtext zum fertigen Post!

01. Erst zielen, dann texten!

Mann spielt Dart: Ein Symbobild für die notwendige Zielgenauigkeit beim Texten

Was für ein bescheuert eindeutiger Tipp, oder? Und dafür habt ihr jetzt tatsächlich runter gescrollt … Natürlich ist Kommunikation immer zielgerichtet und dementsprechend müsst ihr auch euer Ziel kennen. Sonst könnt ihr es ja gar nicht erreichen. Doch: Viel zu oft entdecken wir auf Social Media Texte, bei denen der Fokus völlig verloren gegangen ist. Deshalb: Legt euer Ziel fest und haltet es euch immer wieder vor Augen. Denn auch, wenn die Texte sehr kurz sind: Wenn ihr nicht wisst, was ihr wollt, können sich auch vier Zeilen anfühlen wie eine halbe Ewigkeit.

Mögliche Ziele für Social-Media-Posts sind:

  • Unterhaltung
  • Emotionen auslösen
  • Information
  • Diskussion starten
  • Produkt bekannt machen
  • Verkauf von Produkt / Dienstleistung

02. Denkt beim Texten immer auch ans Visual

Social Media funktionieren stark visuell. Dementsprechend solltet ihr immer das Visual mitdenken. Warum das für eure Texte wichtig ist? Weil Schlagwörter und kurze Infos gerne auch auf dem Visual landen. Die braucht ihr dann natürlich nicht mehr im Text. Außerdem: Das Zusammenspiel von Bild und Text gibt euch unzählige Möglichkeiten, um schöne Inhalte zu produzieren.

03. Textet den ersten Entwurf

„Schon? So früh? Wir sind doch noch gar nicht bereit und völlig überfordert!“ Alles Quatsch. Lasst es einfach fließen. Kaum ein erster Entwurf schafft es nachher auch auf Social Media. Deshalb ist es sinnvoll, so früh wie möglich den Rohtext zu schreiben. Macht euch nicht zu viele Gedanken, spart euch den Perfektionismus – textet! Denn Social-Media-Posts sind wie Wie-Vergleiche – egal, wie schlecht sie sind, sie müssen einfach raus. (Keine Sorge, wir hören damit jetzt auf!)

04. Die W-Fragen

 

An dieser Stelle beginnt nun die Bearbeitung eures Posts. Wir fangen an mit dem großen Veränderungen: den W-Fragen. Kennt ihr vermutlich noch aus dem Deutschunterricht?! Mit diesen Fragen prüft ihr, ob euer Post inhaltlich euren Anforderungen gerecht wird. Natürlich gilt hier: Ihr braucht im Normalfall nicht alle W-Fragen. Oft ist es sinnvoll, Infos auszulassen, um Spannung zu erzeugen. Aber hinterfragt euren Post einfach mal vernünftig und wägt dann ab.

Die W-Fragen sind:

  • Wer (hat etwas getan)
  • Was (hat er getan)
  • Wo (hat er es getan)
  • Wann (hat er es getan)
  • Wie (hat er es getan)
  • Warum (hat er es getan)
  • Woher (ist die Information)

05. Prüft, ob jeder Satz notwendig ist

Jeder Satz, der keine Funktion erfüllt, hat nichts in eurem Post verloren. Denn gerade auf Social Media habt ihr nur wenige Zeilen zum Texten, konkurriert aber mit einer schier unermesslichen Menge an Content in der Timeline. Dementsprechend kurz ist die Aufmerksamkeitsspanne. Also: Sagt, was ihr sagen wollt. Behaltet euer Ziel im Fokus. Kommt zum Punkt. Und spart euch Sätze, die bei genauerem Hinschauen nur unnötig aufplustern. Rotstift zücken und weg damit!

06. More Drama possible?

 

Auch in vier Zeilen könnt und solltet ihr mit Spannungsbögen arbeiten. Achtet deshalb beim Texten immer darauf, in welcher Reihenfolge ihr die Informationen anbietet. Lässt sich vielleicht eine unerwartete Pointe finden? Könnt ihr am Anfang direkt eine sehr hohe Erwartungshaltung aufbauen – die ihr dann erfüllt? Was verändert sich, wenn ihr die Sätze komplett vertauscht? Die Rechnung ist dabei einfach: mehr Spannung = mehr Engagement.

07. Gibt es bessere Worte / Formulierungen, die Bilder im Kopf erzeugen?

Wenn ihr gut texten wollt, kommt ihr ohne Bilder kaum aus. Jede Information erhält eine besondere Note, wenn sie die emotionale Seite des Menschen anspricht. Sie wird dadurch gleichzeitig in beiden Hirnhälften verarbeitet – was die Chance, im Gedächtnis zu bleiben, erhöht. Deshalb: Denkt immer in Bildern, gerade beim Texten. Versucht, die Sinne eurer Leser zu aktivieren. Hier ein paar Beispiele:

  • Wir verkaufen auf der Messe unsere frischen Ofenbrote vs. Folgt dem verführerischen Duft von frischem Ofenbrot zu unserem Stand auf der Messe
  • Wir zeigen dir, wo es lang geht vs. Wir sind dein persönlicher Pfadfinder / Navigator / Kompass
  • Einen Vortrag halten vs. Die Bühne entern / erklimmen
  • Fähigkeiten von Journalisten aneignen vs. aus dem Werkzeugkasten der Journalisten stibitzen

08. Rasiert die Floskeln aus euren Texten

 

Dieser Punkt steht aus gutem Grund genau an dieser Stelle. Denn gerade am Anfang werdet ihr beim Versuch, möglichst bildlich zu texten, schnell in Floskeln verfallen. Deshalb ist jetzt wieder Zeit für euren Rotstift. Findet die Floskeln – und streicht sie knallhart! Hier ein paar Beispiele für wirklich altbackene Floskeln:

  • „Es ist wieder so weit“ (Veranstaltungen, auf die niemand gewartet hat)
  • „Für das leibliche Wohl ist gesorgt“ (Für Lesegenuss leider nicht …)
  • „Was lange währt, wird endlich gut“ (Außer diese Floskel!)

Was sind eure liebsten Floskeln? Kommentiert sie einfach unter diesem Artikel.

09. Knallt der erste Satz?

Allem Anfang wohnt ein Zauber inne.

Das wusste schon Hermann Hesse. Und gerade auf Social Media gilt: Der erste Satz muss ziehen, damit die Nutzer auch wirklich weiterlesen. Denn auf Social Media werden wir ständig mit Informationen geflutet, in Form von gesponsorten Posts sogar mit Inhalten, die wir gar nicht unbedingt sehen wollen. Dementsprechend ist Aufmerksamkeit ein rares Gut – und der erste Satz euer Türöffner. Also: Packt ordentlich Magie in den ersten Satz und verzaubert beim Erstkontakt!

10. Spricht der Post die Zielgruppe direkt an?

Dabei geht es nicht um den Inhalt, den habt ihr hoffentlich schon geprüft. Hier geht es wirklich um die Ansprache. Dabei gilt: Ihr, dir, euch, du schlagen man, sich, wir. Immerhin lesen wir bei einer Werbeanzeige lieber „Der Saugo5000 ist euer neuer Staubsauger“ anstatt „Der Saugo5000 ist unser neuer Staubsauger“. Orientiert euch also bei der Ansprache an eurer Zielgruppe und sprecht sie direkt an. Macht es persönlich!

 

Zum Thema Direktheit: Achtet auch auf Infinitivkonstruktionen. Sie sind oft ein Hinweis darauf, dass ihr gerade den rechten Weg des direkten Textens verlasst. So weit darf es natürlich nicht kommen! Deshalb: Nicht „Euer Saugo5000 macht eure Wohnung sauber, ohne dabei Lärm zu machen“, sondern „Euer Saugo5000 macht eure Wohnung geräuschlos sauber“.

11. Mehr Dynamik durch bessere Verben

In Emotion steckt immer auch „motion“ drin, also Bewegung. Deshalb: Gönnt euren Verben die Aufmerksamkeit, die sie verdient haben. Achtet dabei zu allererst auf Hilfsverben (können, möchten, wollen, dürfen) – sie machen eure Texte zu lahmen Enten. Und auch sonst findet ihr bestimmt passendere Verben, die mehr Dynamik ins Spiel bringen. Beispiel gefällig? Nicht gehen, sondern: schlendern, stolzieren, flanieren, latschen … Ihr seht: Durch passende Verben wird der Text lebhafter und präziser. Für die Recherche helfen übrigens Synonym-Tools wie synonyme.de oder openthesaurus.de.

12. Ein Auge auf die Adjektive

Adjektive sind ein zweischneidiges Schwert: Einerseits machen sie Substantive präziser („Das Meer“ vs. „das türkisblaue Meer“), andererseits sind sie gerade in Kombination mit Verben oft Füllwörter („Er läuft langsam“ vs. „er schlendert/flaniert“). Also: Achtet auf die Adjektive. Prüft, welche davon den Text wirklich aufwerten – und welche ihn nur unnötig strecken.

13. Prüft Fremdwörter, Fachbegriffe und Trendwörter

Ihr wollt, dass eure Zielgruppe euch versteht. Dementsprechend müsst ihr auch so schreiben, dass sie dazu überhaupt eine Chance hat. Verwendet Fremdwörter und Fachbegriffe nur, wenn ihr voraussetzen könnt, dass eure Zielgruppe sie kennt. Das kann bei einem Post auf unterschiedlichen Plattformen variieren: Auf Facebook, Twitter & Co. schreibt ihr eher locker, auf LinkedIn oder Xing, wo viele Professionals unterwegs sind, darf es auch fachlicher sein.  Dasselbe gilt natürlich für Trendwörter: Prüft immer, ob eure Zielgruppe diese Begriffe überhaupt kennt. Der Generation Ü60 müsst ihr nichts von eurer neuen Yolo-Mentalität erzählen (die sowieso lange nicht mehr im Trend liegt).

Als Faustregel gilt: Orientiert euch an der Alltagssprache eurer Zielgruppe. Dann trefft ihr bestimmt den richtigen Ton!

14. Struktur und Satzzeichen sorgen für Rhythmus beim Texten

 

Bringt eure Texte zum Klingen, indem ihr an den richtigen Momenten beschleunigt – und dann wieder abbremst. Gemerkt? Der Spiegelstrich bringt eine kurze Pause. Dagegen sorgen Ellipsen, Aufzählungen oder Alliterationen für Tempo. Macht euch also Gedanken über Stilmittel, Satzzeichen, Emojis usw.

Dabei spielt Sprachmelodie eine große Rolle. Kombiniert kurze Sätze mit längeren, denn so erzeugt ihr einen Rhythmus. Die Sprache klingt anders. Das sorgt für einen angenehmen Lesefluss und zieht die Leser in den Text hinein. Wenn ihr euch unsicher seid, dann tragt den Text einfach laut vor. So bemerkt ihr holprige Stellen garantiert.

Extratipp für Aufzählungen: Sortiert sie von kurz nach lang oder lang nach kurz. So bekommen sie einen tollen Rhythmus. Beispiel: Euer neuer Staubsauger ist leise, sehr gründlich und ein echtes Designhighlight. Oder: Euer neuer Saubsauger ist ein echtes Designhighlight, sehr gründlich und leise.

15. Fordert per Call-to-action eine Reaktion

Es gilt die goldene Regel: Wenn ihr etwas haben wollt, müsst ihr es fordern. Also verlangt von eurer Community die gewünschte Reaktion. Was ihr fordert, kann dabei völlig unterschiedlich sein:

  • Diskussionsbeitrag
  • Klick
  • Kauf
  • Frage beantworten
  • Foto kommentieren
  • Beitrag teilen
  • Rätsel lösen

Gerne darf der Call-to-action auch kreativ ausfallen. Bei einer Facebook-Anzeige für einen Reiseanbieter textet ihr also lieber zum Verkaufslink „Jetzt in den Urlaub starten!“ anstatt „Jetzt buchen!“.

16. Prüft die Rückbindung zu eurem Kommunikationsziel

Ihr erinnert euch noch etwa fünf Minuten zurück, als ihr etwas über Zielsetzung gelesen habt? Punkt 1? Gut, dann habt ihr aufmerksam gelesen. An dieser Stelle ist euer Text grundsätzlich fertig. Ihr prüft aber noch einmal, ob er wirklich noch euer Ziel erfüllt – denn die Gedanken verselbstständigen sich unterwegs gerne. Also gleicht ab, passt an oder freut euch darüber, dass ihr nun ein anderes Ziel erreicht. Denn: Solange ein klares Ziel weiterhin erkennbar ist, ist eine Änderung ja nichts Schlechtes. Außer, ihr habt gewisse Vorgaben.

17. Weitergeben, prüfen lassen

Vier Augen sehen immer mehr als zwei, zwei Gehirne denken immer besser als eins. Also gebt euren Post noch einmal weiter und lasst jemanden die 16 vorherigen Schritte oder euren individuellen Plan erneut durchlaufen. Erst dann ist euer Post wirklich bereit für Social Media.

Fertig. Und jetzt?

 

Jetzt veröffentlicht ihr euren Post, freut euch – und setzt euch dann wieder ans Texten für die nächsten Beiträge. Wenn ihr dabei die vorgenannten 17 Schritte beachtet, fällt euch das Texten immer leichter. Natürlich gilt: Das hier ist kein Patentrezept. Ihr sollt nicht stur diese Liste abarbeiten, sondern euren eigenen Weg finden. Wir selbst nutzen so eine Liste auch nicht, da viele Schritte im Arbeitsalltag gleichzeitig ablaufen. Aber für einen Workshop im Zuge des Barcamp Koblenz haben wir einfach alles zusammengetragen, auf was wir als Texter so achten. Orientiert euch auf der Suche nach eigenen Prozessen einfach daran, dann seid ihr auf einem guten Weg. Habt ihr selbst andere Abläufe? Wir freuen uns auf eure Kommentare!

Ihr habt nun gesehen, was alles zu wirklich guten Texten gehört. Worauf ihr achten müsst. Die Wichtigkeit ist euch bewusst geworden. Aber ihr habt weder Zeit noch Muße, euch selbst intensiv damit zu beschäftigen? Kein Problem! Wir legen eurem Unternehmen gerne die Worte in den Mund – und übernehmen eure Social-Media-Betreuung von der Strategie über die Texte und Visuals bis zur Umsetzung mit dazugehörigem Monitoring. Schreibt uns einfach eine Nachricht. Wir freuen uns drauf. 🙂

PS: Die Präsentation des Workshops findet ihr zum Download auf Slideshare.

Autor

Felix Bartsch

Felix Bartsch
Content Creator

Felix ist sprachverliebter Texter durch und durch. Als Roman- und Bühnenautor findet er in jeder Situation die passenden Worte.

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