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25.07.2013 . Social Media Marketing . Lars Ofterdinger

Baden-Württemberg schränkt Facebooknutzung für Lehrer ein – Ein Kommentar

Wie allfacebook.de Anfang dieser Woche berichtete, verbot die Landesregierung des Bundeslands Baden–Württemberg in einer Handreichung die Nutzung von Facebook für Lehrer im beruflichen Umfeld. Demnach beschreibt die Landesregierung, dass zwar das Interesse der Schüler– und Lehrerschaft an sozialen Netzwerken registriert wird, eine dienstliche Nutzung der Netzwerke allerdings trotzdem nicht gestattet werden kann.

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Wie allfacebook.de Anfang dieser Woche berichtete, verbot die Landesregierung des Bundeslands Baden–Württemberg in einer Handreichung die Nutzung von Facebook für Lehrer im beruflichen Umfeld. Demnach beschreibt die Landesregierung, dass zwar das Interesse der Schüler– und Lehrerschaft an sozialen Netzwerken registriert wird, eine dienstliche Nutzung der Netzwerke allerdings trotzdem nicht gestattet werden kann.

Datenschutz als Begründung

Begründung für das Verbot ist, wie sollte es auch anders sein, der Datenschutz. In der Handreichung dazu:

Generell ist die Verarbeitung von personenbezogenen Daten im Rahmen der schulischen Arbeit auf Sozialen Netzwerken von Anbietern unzulässig, soweit deren Server außerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes betrieben wer-den, es sich um US-Amerikanische Unternehmen handelt oder ein Zugriff von außerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes möglich ist. Der Grund dafür ist, dass die dortigen Datenschutzstandards nicht mit deutschen und europäischen Datenschutzstandards in Einklang stehen. Ferner sind die AGBs bzw. Nutzungsbedingungen nicht mit dem deutschen Datenschutzrecht zu vereinbaren.

Das einzige Zugeständnis, was seitens des Landes den Schulen bzw. Lehrern hinsichtlich sozialer Medien gemacht wird lautet wie folgt:

Im Rahmen des Unterrichts dürfen Soziale Netzwerke jedoch dazu genutzt werden, um Funktionsweise, Vorteile, Nachteile, Risiken usw. pädagogisch aufzuarbeiten.

Auch zum Thema Fanpages für Schulen äußert sich die Landesregierung:

Auf keinen Falls dürfen personenbezogene Daten oder Bilder von Schülern oder anderen Personen auf Fanpages dargestellt werden. Nicht zulässig ist ferner, dass Schulen mit Schülern über diese Fanpages miteinander kommunizieren.

Schule und soziale Medien

Vor einiger Zeit hielten wir mal einen Workshop mit einer Gruppe Schulleiter und Medienbeauftragten von Schulen zum Thema Handlungsfelder im Schulmarketing. Die Intention: Die Kommunikation von Schulen da hin bringen, wo auch die Kommunikation der Schüler stattfindet – also auf Facebook, Twitter & Co.

Wie auch bei Unternehmen versuchten wir den Anwesenden den Nutzen aufzuzeigen, den Schülern bzw. jeglichen Interessenten, eine Plattform für ihre Kommunikation rund um das Thema Schule zu bieten. Dies kann man zum Beispiel mit einer Facebook–Seite für die Schule ermöglichen.

Die Reaktionen auf diese Idee waren vorerst meist negativ. Die beiden häufigsten Kritikpunkte an dieser Idee waren …

  • Die Arbeit an einer Facebook–Seite wird vom Land nicht finanziell / mit verfügbarer Lehrzeit honoriert.
  • Man läuft Gefahr, dass Lehrer öffentlich diskriminiert werden und ein Shitstorm (kann man ja jetzt seit der Aufnahme in Duden auch endlich ohne Anführungszeichen schreiben) gegen Einzelpersonen entsteht.

Naja, da standen wir nun. Vor uns eine Menge Pädagogen, die uns mit einem Blick ansahen, als ob wir die Inkarnation alles Bösen in sozialen Netzwerken wären. Im Laufe des Workshops versuchten wir die Ängste dann mal ein wenig herunterzukochen.

1.: Ja, leider wird kein Lehrer heutzutage vom Land dafür bezahlt eine Facebook–Seite zu pflegen. Das ist leider so und da kann man auch noch so überzeugt von sozialen Netzen sein, diesen Fakt kann man wohl nicht wegdiskutieren. Wofür man als Lehrer allerdings vergütet werden kann (beispielsweise mit Anrechnung an die Arbeitszeit), sind AGs. Also warum nicht einfach eine Social Media AG ins Leben rufen?! Ein Teilnehmer des Workshops schlug prompt vor die etwas altbackenen Schülerzeitungen umzumodeln, da diese ohnehin kaum noch Beachtung finden würden. Der positive Nebeneffekt: Meist sind immer noch die eigentlichen „Experten“ in einer Schule wenn es um soziale Netzwerke geht. Der Lehrer würde lediglich eine überwachende Funktion übernehmen und müsste selbst (vorausgesetzt es läuft alles wie es soll) nicht in den Netzwerken aktiv werden.

2. Dies ist ein Argument, dass wir von Unternehmen oft zu hören bekommen. Die Annahme da hinter, hat allerdings etwas von dem Verhalten eines Straußes: Wenn ich den Kopf in den Sand stecke, dann sieht mich auch keiner und keiner kann mich ärgern. Leider ist dem nicht so. Wenn Schüler sich dazu entschließen, die Schule oder einen Lehrer über Facebook öffentlich anzuprangern, werden sie es tun. Egal ob eine Facebook–Seite der Schule besteht oder nicht. Letztlich bietet eine Facebook–Seite in einer solchen Szenerie einen entscheidenden Vorteil: Sie zentralisiert die Diskussion. Wären die Meinungen sonst wirr durch die Tiefen des Netzes geflogen, kann auf Aussagen auf einer Facebook–Seite einfacher eingegangen werden, weil sie durch Verantwortliche leichter wahrgenommen werden. So können Diskussionen mit einer professionellen Kommunikation und Moderation entschärft und somit etwaige Shitstorms verhindert werden.

Unserer Meinung nach, bieten soziale Medien tollen Möglichkeiten für Schulen. Sie könnten als virtuelles Abbild des Schulhofes dienen, auf denen sich Schüler und Lehrer abseits des Klassenraumes über Belange der Schule austauschen können. Selbstverständlich sollten keine vertraulichen Daten über die Kanäle der Netzwerke verschickt werden, das sollte jedem auch abseits des Themas „Schule“ klar sein, aber als Bundesland noch einmal explizit eine solche Distanz in dem ohnehin schon skeptischen Verhältnis zwischen sozialen Netzwerken und Schulen zu schaffen, halten wir für fragwürdig.

Eure Meinung ist gefragt

Was haltet ihr von der Verbindung von Schule und Social Networks? Unkontrollierbares Pulverfass, oder ungenutztes Potential?

Autor

Lars Ofterdinger

Lars Ofterdinger
Head of Marketing

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