01. April 2015

Facebook kauft Twitter – eine neue Dimension von Social Media

Carl Corea Author: Carl Corea Kategorie: Facebook, Social Media

Kein Thema wurde in den sozialen Medien zuletzt heißer diskutiert. Nun scheinen sich die Gerüchte zu bewahrheiten: Facebook unterzeichnete Anfang der Woche einen Deal mit Twitter, in dessen Zuge es die Mehrheit am kalifornischen Kurznachrichtendienst übernimmt. Diese Entscheidung der beiden Netzwerk-Giganten polarisiert die Nutzer auf der ganzen Welt. Was ist mit dem Datenschutz?! Gerade für Unternehmen und Seitenbetreiber hat die Fusion aber zahlreiche Vorteile. Indem die Daten beider Netzwerke zusammengeführt werden, eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten im Bereich Marketing und Kundenbindung.

Wir bei 247GRAD haben selbst noch keine eindeutige Position bezogen. In diesem Blogbeitrag wollen wir euch ganz neutral die neuen Features des „Super-Netzwerks“ erklären, sowie auf die Konsequenzen eingehen, die dieser Deal für Nutzer wie für Social-Media-Manager hat. Klar ist: Ab sofort sind ganz neue Strategien gefragt.

Eine Content-Base für alle Kanäle

Aufmerksamkeit wird eine immer knapper werdende Ressource, um die sich zahlreiche Anbieter im Internet streiten. Die vollständige Zusammenlegung der zwei Kanäle Facebook und Twitter läutet eine neue Etappe im Kampf um Reichweite ein. Die gravierendste Änderung sticht einem beim Erstellen eines neuen Beitrags sofort ins Auge: Es ist z.B. möglich, Tweets direkt in Facebook abzusenden. Hierfür kann ein Beitrag über einen sogenannten „Post Type“ auf den Status „Tweet“ eingestellt werden. Abgesendet werden diese Tweets aber direkt innerhalb von Facebook. User sehen auf ihrer Facebook-Startseite also normale Facebook-Postings sowie Tweets. Mehrfaches Einloggen gehört der Vergangenheit an.

Inwieweit der „Post Type“ Tweet gegenüber einem klassischen Facebook-Posting eine höhere Reichweite verspricht, ist noch nicht abzusehen. Facebook selbst sagt, dass beide Arten von Inhalten gleichrangig behandelt werden, aber erste Feldversuche legen den Entschluss nahe, dass der Like-Button dem Favorite-Button in punkto Viralität um Weiten voraus ist. Facebook selbst erklärt das mit vom Standort des Nutzers abhängigen Schwankungen; die Validität dieser Aussage ließ sich für uns jedoch nicht überprüfen.

fb

Im Umkehrschluss heißt das auch, dass sämtliche Twitter-Follower nun auf Facebook übertragen werden. Gerade Unternehmen oder Prominente, die ihre Follower sonst mühsam über viele verschiedene Kanälen betreuen und bespaßen mussten, können nun alles an einem zentralen Ort verwalten. Daher besteht keine Notwendigkeit mehr, professionelle Software zum Management von Social-Media-Kanälen zu verwenden.

Dieser Zusammenschluss eröffnet auch deshalb unzählige Türen und Wege, weil nun eine viel bessere Datengrundlage zur Analyse der eigenen Community vorhanden ist. Relevante Influencer können einfach angestupst werden, statt langwierigen Beziehungsaufbau zu betreiben.

Ein schwarzer Tag für den Datenschutz?

Speziell im Rahmen der NSA-Affäre wird die Zusammenführung von Facebook und Twitter von deutschen Datenschützern als „schwarzer Tag für die Privatsphäre“ gesehen. Andreas Borg vom Ausschuss für Informationsfreiheit und Datenschutz kritisierte die Entscheidung stark und forderte Kartellbehörden und EU-Parlament gleichermaßen auf, eine Integration der beiden Dienste zu verhindern. Es sei „ein klarer Rückschritt“ für den Verbraucherschutz, da Facebook eine „unverantwortlich große“ Datenmenge über die Benutzer zur Verfügung stehe. „Facebook kann ab sofort Aufenthaltsorte und Nutzerverhalten in Echtzeit verfolgen und diese mit Interessen und Demographie abgleichen“, kritisierte Borg.

Susan Jones, Professorin am Institut für IT-Sicherheit an der Universität Münster, warnte zudem vor Angriffen auf die Server von Facebook. „Die Attraktivität der Facebook-Daten hat durch den Zusammenschluss nochmals um 100% zugenommen“, schilderte Jones. Es sei davon auszugehen, dass Facebook in nächster Zeit ein noch stärkeres Ziel von Hackerangriffen wird.

Pro oder Contra?

Sicherlich ist es nicht leicht, eine eindeutige Meinung zum Facebook-Twitter-Deal zu bilden. Während Benutzern wahnsinnig viele neue Möglichkeiten und User-Experiences geboten werden, so muss gerade auch die Politik eine klare Stellung beziehen und auf jeden Fall verhindern, dass jeder von uns zum gläsernen Bürger wird.

Was haltet ihr davon, dass Twitter von Facebook gekauft wurde? Interessieren euch die neuen Features, oder wollt ihr das neue „Super-Netzwerk“ jetzt sogar boykottieren? Wir sind auf eure Meinungen gespannt!

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Über den Autor

Carl Corea
Carl Corea

Als Web Developer bin ich für die Planung, Architektur und Umsetzung von Webseiten Projekten und Apps aller Art zuständig. Gern möchte ich in diesem Blog Einblicke in den Entwickler-Alltag von 247GRAD geben!


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