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23.06.2021 . Design & Development . Thomas Christian Busenkell

Wie geht eigentlich Kreativität?

Der Begriff „Kreativität“ begegnet uns fast überall. Oft erkennen wir Kreativität sofort, wenn sie uns begegnet. Habt ihr schon mal versucht zu erklären, was ihr an einem Objekt besonders kreativ wahrnehmt? Die Frage bleibt: Was ist Kreativität überhaupt? Und warum ist sie so wichtig?

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Vor dem Hintergrund einer ansteigenden Reizüberflutung im Zuge der Digitalisierung gewinnt der Begriff „Kreativität“ und „kreativ sein“ zunehmend an Bedeutung. Kreativität ist in vielen Bereichen ein zentraler Faktor geworden, um relevant zu bleiben … denn am Ende sind es kreative Ideen, die aus der Masse an Videos, Bildern, Texten etc. herausstechen.

Was ist Kreativität?

Ganz wissenschaftlich betrachtet definiert Digitalisierungsexperte Dr. Jens-Uwe Meyer den Begriff so:

Kreativität ist die Sammlung kreativer Fähigkeiten und persönlicher Charaktereigenschaften, die es möglich macht, kreative Leistungen zu erzielen. Diese Leistungen werden in einem definierten sozialen Kontext als neu und nützlich angesehen.

Neu und nützlich sind die Schlüsselworte in diesem Zitat. In einem Kreativprozess kreieren wir also Dinge, die einen bestimmten Zweck erfüllen, ein Problem lösen, oder ungenutzte Potenziale aufzeigen und entfalten. Kreativität erschafft Innovation. Dieses Statement klingt ganz schön episch und hochtrabend, wenn man es für sich stehen lässt. Aber Innovationen können auch ganz banale oder alltägliche Dinge sein. Genauso kann ein Zweck auch einfach purer Expressionismus eines Künstlers oder einer Künstlerin sein.

Nehmen wir als Beispiel den Skimboarder Adrien Raza. Während des Lockdowns im vergangenem Jahr erfand er den Trend des „Urban Skimboarding“. Weil herkömmliches Skimboarden auf Seen und Meeren aufgrund des Reiseverbots nicht mehr möglich war, cruiste Adrien mit seinem Board auf städtischen Brunnenanlagen. Er hat also konkret auf ein Problem bzw. eine Entwicklung reagiert, indem er etwas Neues gemacht hat.

Ein weiteres Beispiel aus dem Bereich der Digitalisierung: Vom Arbeiten am fetten Tower-Rechner zum flachen iMac bis hin zum kollaborativen Arbeiten an mobilen Tablets.

Aber Moment mal … Skimboarden gab es doch schon vor der Pandemie, und Computer sind auch nichts Neues mehr. Wirklich neu ist keine dieser Entwicklungen und damit nicht kreativ – oder?

Nichts ist neu

Wie wir gelernt haben, bedeutet kreativ zu sein, Denkprozesse anzufeuern, sich auszudrücken und Dinge zu erlernen und damit auf äußere Gegebenheiten zu reagieren. Aber was ist das Geheimnis, um kreativ arbeiten zu können? Spoiler alert: Es gibt keins. Sowohl Kunst als auch Wissenschaft streiten sich schon jahrzehntelang über den Begriff. Und es sind teilweise ausgefallene Theorien entstanden – beginnend beim angeborenen Talent bis hin zur göttlichen Berührung, die kreative Energie im Körper freisetzt. Einen weniger esoterischen Gedanken hatte Filmregisseur Kirby Ferguson, als er 2011 die Videoserie „Everything is a Remix“ veröffentlichte.

Kleine Zeitreise in das Jahr 2004

Was glaubst du, wie hoch die Schnittmenge an Menschen ist, die sowohl Songs von den Beatles als auch von Jay-Z hören? Ehrlich gesagt weiß ich es nicht, aber seit 2004 dürfte sie ein gutes Stück gewachsen sein. Denn in dem Jahr veröffentlichte Brian Joseph Burton, besser bekannt als Danger Mouse, das Album „The Grey Album“. Das Album wurde zu einer sofortigen Online-Sensation, was in erster Linie nicht an der unglaublichen musikalischen Qualität lag, sondern an den zahlreichen Abmahnungen über Plagiatsvorwürfe und Urheberrechtsverletzungen von diversen Plattenfirmen der Beatles. Was also ist passiert?

Nun, das „The Grey Album“ ist ein Remix. Es ist ein neues Musikstück, geschaffen aus einem alten. Brian Burton nahm das legendäre „The White Album“ der Beatles, kombinierte es mit „The Black Album“ von Jay-Z und veröffentlichte sein „The Grey Album“.

Der Begriff Remix stammt ursprünglich aus der Musik – genauer gesagt aus der Blütezeit des Hip-Hop als erste populäre Musik, die Versatzstücke von bestehenden Songs enthielt und mit eigenen Melodien und Texten kombiniert wurde. Ein populäres Beispiel ist der Song „Rappers Delight“, dessen Baseline in 40 Jahren mehrere duzende Male in diversen populären Songs gesamplet wurde.

englisch remix, zu: to remix = erneut mischen, aus: re- (< lateinisch re-) = wieder, zurück und to mix = mischen

Everything is a Remix

Kirby Fergusons Verständnis von Kreativität und der Theorie „Everything is a Remix“ basiert auf drei Methoden, um Innovation zu erschaffen: Copy, Transform, Combine. Wenn man diese Theorie als Grundlage nimmt, lässt sich Kreativität sehr viel besser erfassen und anwenden. Das Prinzip wird noch deutlicher, wenn wir Kreativität in fünf Bereiche unterteilen.

  1. Additive Kreativität
  2. Subtraktive Kreativität
  3. Replacement Methode
  4. Gemeinsame Kreativität
  5. Spontane Kreativität

Additive Kreativität

Die ersten beiden Formen der Kreativität sind relativ selbsterklärend. Bei der additiven Methode betrachte ich ein bestimmtes Objekt, einen Sachverhalt, ein Problem, einen Prozess – völlig egal was es ist – und addiere ein weiteres Puzzleteil hinzu. Damit kann ich z. B. den Nutzen eines Produktes verbessern oder seinen Charakter stärken.

Beispiel gefällig? Nehmen wir dein Geschirrspülmittel. Der primäre Anwendungsfall von diesem Produkt ist relativ simpel: Es soll dein dreckiges Geschirr sauber bekommen. Aber unser*e Nutzer*in möchte beim Abspülen auch eine möglichst angenehme Zeit haben, denn seien wir mal ehrlich, niemand spült gerne dreckiges Geschirr ab. Also, was können wir zu unserem Spülmittel hinzu addieren, damit der Abwasch sich möglichst angenehm für die Spülenden gestaltet? Wir könnten z. B. einen wohlriechenden Duft hinzufügen. Und schon sind wir kreativ geworden. So einfach ist das.

Ein Trend aus den Social Networks ist vergangenes Jahr während des Lockdowns entstanden. Als der Musiker Bill Withers am 30. März starb, coverte die Singersongwriterin Antje Schomaker seinen bekannten Song „Lean on Me“. Zahlreiche Musiker*innen reagierten auf diese Story, indem sie jeweils ein weiteres Instrument zu ihrem Cover addierten. So einfach erschafft man einen „neuen“ Song.

 

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Subtraktive Kreativität

Das Pendant zur additiven bildet die subtraktive Kreativität. Statt zu einem bestehenden Objekt etwas zu addieren, zerteile ich das Objekt in seine Einzelteile und überlege was passiert, wenn ich ein oder mehrere Teile daraus entferne. So ungefähr muss wohl das Einrad entstanden sein, auch wenn ich das an dieser Stelle nicht recherchiert habe.

Replacement Methode

Best of both worlds bietet die Replacement Methode. Statt das eigentliche Objekt zu erweitern oder zu beschränken, ersetze ich einen Baustein mit einem anderen. Als Beispiel: Was ist das grundlegende Problem von einem Hamburger? Richtig! Das Brot. Fad und geschmacklos. Wie kann man den Geschmack von Hamburger mit der Replacement Methode verbessern? Ganz einfach: Wir ersetzen das Brot mit „Fried Chicken“. So oder so ähnlich war wahrscheinlich die Überlegung bei der Kreation des KFC „Double Down Burger“.

Ob das jetzt wirklich den Hamburger verbessert hat, kannst du für dich entscheiden … aber die kreative Entwicklungsmethode ist ganz einfach: Ein bestimmter Bestandteil eines Objektes wird mit einem anderen ersetzt.

Gemeinsame Kreativität

Kollaborative Kreativität ist eine Theorie darüber, wie wir auf den Ideen der/des jeweils anderen aufbauen. Ein vielfältiges Wissen macht es viel wahrscheinlicher, innovative Ideen zu finden. Wie bekommen wir diese unterschiedlichen Gedanken und Perspektiven in unseren Kopf? Ganz einfach: Egal ob wir zusammen brainstormen oder eine andere Kreativmethode ausführen: ein diverses Teilnehmer*innenfeld gestaltet auch die Gedanken wesentlich vielfältiger.

 

Wenn dich das Thema interessiert: Niko von Figma hat in seinem Vortrag über „Collaborative Creativity“ das Prinzip sehr umfassend erläutert und erklärt in seiner Präsentation, warum es wichtig ist, gemeinsam Ideen zu entwickeln.

Spontane Kreativität

Wer, wie ich, ein großer Fan vom sogenannten „Freestyle Rap“ ist, kann sich bereits ein Bild davon machen, was unter spontaner Kreativität zu verstehen ist. Sie setzt extrem schnelles Denken voraus und entsteht an Ort und Stelle ganz ohne Vorbereitung aus reiner Improvisation. Vom „Freestyle Rap“ lässt sich diese Disziplin sehr genau auf andere Bereiche übertragen. Im Gehirn passiert das Gleiche: Ob jetzt ein*e Jazz-Musiker*in improvisiert, oder ein*e Rapper*in freestylt … bei der spontanen Kreativität ist die Herausforderung, nicht zu antizipieren was geschehen wird, sondern auf dem aufzubauen, was gerade geschehen ist.

Improvisationskünstler Helge Schneider entwickelt ganze Auftritte nach diesem Prinzip. Tatsächlich lässt sich das Prinzip auf sehr viele Bereiche anwenden. Gerade in der Jazz-Musik ist das kreative Improvisieren von Melodien sehr beliebt. Spontane Kreativität führt zu ungezwungenen, fantastischen Ergebnissen. Leider hat diese Art von Kreativität einen ganz entscheidenen Nachteil. Sie ist niemals reproduzierbar. Es gibt einzigartig gute Songs, die live in irgendwelchen New Yorker Jazzclubs aufgeführt wurden, die niemals reproduziert werden können in der Form, in der sie improvisiert wurden.

Wie formuliere ich kreative Gedanken?

Mit der Kreativität verhält es sich wie mit den meisten Dingen, in denen man besser werden möchte. Du wirst nur durch ständiges Training besser darin, kreative Gedanken zu formulieren. Wenn wir unsere Zeitmaschine nochmal in Gang setzen und in das Jahr 1971 reisen, treffen wir die junge Band „The Rolling Stones“, wie sie gerade ihr erstes Studioalbum aufnimmt. Hast du gewusst, dass dieses Album überwiegend aus Cover-Songs besteht? Also einer Kopie von bestehenden Musikstücken? Bevor die Band um Mick Jagger die Musikwelt revolutionierte, übte die junge Band und tastete sich heran, in dem sie bekannte Stücke kopierte, transformierte und kombinierte. Erst aus der Erfahrung heraus erfanden sie neue Kompositionen.

Alles ist eine Kopie einer Kopie einer Kopie …

Die digitalen Medien sind ein unglaublicher Antrieb für Kreativität. Wir arbeiten mit Geräten, die es dir erlauben, jede Art von Idee sehr schnell zu duplizieren, zu verändern, neu zusammenzusetzen oder einfach zu verwerfen.

Wichtig ist es, ständig neue Reize und Inhalte zu betrachten. Interessierst du dich beispielsweise für Inneneinrichtung und suchst nach einem neuen Stil, um deine Küche zu renovieren? Kein Problem. Auf Pinterest oder Instagram gibt es zahlreiche Einrichtungstrends, die dir Inspiration zu einer ganz eigenen Kombination geben können. Du brennst für Typografie und suchst eine Plattform für waghalsige Buchstaben-Experimente? Easy. Die Plattformen behance.net oder dribbble.com sind wie geschaffen als Quelle für neue Ideen. Als Kreativschaffende*r brauchst du ständig neue Impulse. Denn mit möglichst vielen unterschiedlichen Bausteinen macht das Kombinieren besonders viel Spaß. Und die Möglichkeiten sind nahezu endlos. Das Internet ist riesig und bietet einen ständig wachsenden Pool an Impulsen.

Jetzt lesen: Pinterest strategisch richtig nutzen – so pinnt ihr richtig

Kein Ende in Sicht

Eine bittere Nachricht muss ich dir aber noch gestehen: Der Prozess ist nie beendet. Kreative Gedanken haben zwar kein Verfallsdatum, aber sind in einer ständigen Entwicklung, die sich selbst voran treibt. Während wir diese Gedanken kreieren, entwickeln wir neue Impulse und lernen aus dem, was wir bereits geschaffen haben. Ich bin mir nicht sicher, ob das der „Circle of Life“ ist, von dem Sir Elton John 1994 sprach, aber zumindest der „Circle of Creativity“ funktioniert auf diese Weise … und eine weitere Musikanekdote konnte ich mir wirklich nicht verkneifen.

Wie geht’s für dich weiter?

Ideen, die adhoc ein bestimmtes Problem lösen, sprudeln wohl selten aus dir, wenn du sie brauchst. Deswegen ist es wichtig, dass du auf die eine oder andere Technik zurückgreifen kannst, die deine Ideensuche auf einen guten Weg bringt. Bald stelle ich dir hier in diesem Blog einige Methoden vor, die deine Kreativität unterstützen. Also, stay tuned! Lies dir doch in der Zwischenzeit unsere weiteren Artikel durch. Ich bin sicher, diese können deinen kreativen Brunnen mit reichlich Inspiration füllen! Und wenn du magst, diskutiere mit mir zu diesem Thema in den Kommentaren. Ich bin gespannt.

Kommentare

Coupon . 02.07.2021 . 20:48

Toller Inhalt! Mach weiter so!

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