11. Februar 2014

Wie man Investoren gewinnt. Unser Weg zur 1. Finanzierungsrunde

Sascha Böhr Author: Sascha Böhr Kategorie: 247GRAD

Vor einigen Wochen gaben wir hier bekannt, dass wir Investoren von unserer Idee einer Social Media Communication Platform begeistern konnten und deshalb mit der 247GRAD Labs GmbH eine weitere Gesellschaft gründeten.

Seit Anfang September entwickeln wir nun fleißig an unserem Produkt 247GRAD CONNECT und unser Team wächst stetig. In den nächsten Wochen werden wir bereits eine marktfähige Version der Software haben. Aber der Weg der Finanzierung war steinig und langatmig. Bis zur Unterzeichnung der Verträge vergingen knapp 4 Monate. Ich möchte euch nachfolgend von meinen Erfahrungen aus dieser Zeit berichten:

Wie alles begann

Im Jahr 2010 habe ich die 247GRAD GmbH gegründet. Unser erstes eigenes Produkt, der TABMAKER, wurde Anfang 2011 auf den Markt gebracht und hat mit mehr als 200.000 Installationen auf der ganzen Welt maßgeblich zum Erfolg der Marke 247GRAD beigetragen. Neben dem TABMAKER wollten wir Anfang 2012 mit dem PUBLISHER einen weiteren „Hit“ landen.

Den richtigen Fokus finden

Wie beim TABMAKER, finanzierten wir die Entwicklung komplett aus eigenen Mitteln. Mit den monatlichen Gewinnen aus der Realisierung von Kundenprojekten hatten wir liquide Mittel, um unsere Produktentwicklung voranzutreiben. Für unser Team hieß das allerdings eine starke Doppelbelastung, da im Zweifel immer so viel „Kohle“ reingeholt werden musste, dass die monatlichen Kosten gedeckt werden konnten. Danach erst kümmerten wir uns um die Produktentwicklung. Dieses Vorgehen machte uns langsam.

Erkenntnis: Aus dieser Zeit habe ich gelernt, dass es sehr schwierig ist, mit einem kleinen Team auf mehreren Hochzeiten zu tanzen (Projekte und zwei Produkte). Trotz tollem Feedback zu unserer ersten Version des PUBLISHER stellten wir die Produktentwicklung irgendwann ein und fokussierten uns „nur noch“ auf unsere Kundenprojekte sowie auf die Weiterentwicklung des TABMAKER.

Neue Wege gehen

Ich glaubte aber weiterhin an das Konzept des PUBLISHER und war mir sicher, dass wir damit den Nerv der Nutzer treffen würden. Wenige Zeit später entschloss ich mich bei Investoren anzuklopfen.

Zunächst bereitete ich relevante Unterlagen zur Präsentation unserer Geschäftsidee vor. Eine sogenannte Executive Summary (2 Seiten) verschaffte den Investoren einen schnellen Überblick über das Geschäftsmodell. Die meisten Investoren möchten dieses Dokument vorab, um die Erfolgschancen der Idee bereits in dieser frühen Phase einschätzen zu können. Folgende Inhalte waren Bestandteil unserer “Excecutive Summary”:

  • Einleitung
  • Ausgangssituation
  • Beschreibung der Idee
  • Alleinstellungsmerkmale
  • Ziele
  • Zielgruppe
  • Markt
  • Geschäftsmodell
  • Vertrieb/Marketing
  • Das Team
  • Planung und Umsatzziele

Anschließend verfasste ich den Businessplan. Dieser bestand aus folgenden Punkten:

  1. Zusammenfassung der Idee
  2. Business-Organisation
    1. Geschäftsmodell
    2. Kundennutzen
    3. Team
    4. Recruiting-Strategie
    5. Stand der Entwicklung
    6. Fertigung und Erstellung
    7. Meilenstein-Planung
  3. Markt und Wettbewerb
    1. Branche und Gesamtmarkt
    2. Wettbewerb
  4. Marketing und Vertrieb
    1. Preismodell
    2. Vermarktungsstrategie
  5. Chancen und Risiken
    1. Chancen
    2. Risiken
  6. Finanzplanung (Jahresvorschau)

Zur besseren Erläuterung des Geschäftsmodells integrierte ich eine Business Model Canvas. Diese dient zur einfachen Visualisierung von Geschäftsmodellen mit ihren relevanten Schlüsselfaktoren. Wer sich mit dem Thema beschäftigen möchte, dem sei das Buch Business Model Generation empfohlen.

Gleichzeitig fertigte ich eine umfangreiche Finanzplanung im Excel-Format an, welche folgende Punkte beinhaltete:

  • Cap Table
  • Jahresvorschau (3 Jahresplan)
  • Umsatzplanung (36 Monate)
  • SaaS Metrics-Dashboard
  • Personalplanung
  • Abschreibungen und Zinsen

Bevor ich mich auf die Suche nach potenziellen Partnern machte, erstellte ich ein anschauliches Pitch-Deck (Investoren-Präsentation) in Form einer Keynote. Diese Präsentation diente zur Demonstration der Geschäftsidee (Pitch) bei möglichen Investoren. Zu der Präsentation wurde ein kurzes Video umgesetzt, welches die Kern-Funktionen des Produktes zeigte.

Nachdem ich die Unterlagen fertig hatte, zeigte ich sie einigen Freunden, die bereits selbst erfolgreich bei Investoren gepitched haben. Sie gaben mir wertvolle Anregungen.

Potenzielle Investoren suchen und finden

Anschließend suchte ich nach potenziellen Investoren. deutsche-startups.de bietet eine gute Übersicht aller deutschen Investoren. Ansonsten wird man sicherlich auch auf angel.co fündig. Meine Vorstellung war, einen oder mehrere Business Angels zu gewinnen, die selber unternehmerische Erfolge vorzuweisen hatten und uns zukünftig mit ihrer Erfahrung beim Aufbau unseres international agierenden Softwareunternehmens zur Seite stehen könnten.

Gleichzeitig wollten wir einen Venture Capital Partner (VC-Partner) haben, der uns mit Risikokapital unterstützt. Bei meiner Recherche fand ich einige potenzielle Partner. An drei von ihnen schickte ich unsere Exec Summary (siehe oben). Wir hatten das große Glück, dass wir einen Business Angel für uns gewinnen konnten, der gerade seine Firmenanteile an einer Softwarecompany verkauft hatte und mit dem Invest in die 247GRAD Labs GmbH zu unserem ersten Business Angel wurde. Aus seinem Netzwerk konnten wir noch zwei weitere Business Angels gewinnen. Einer dieser Angels unterstützte uns auch bei den Pitch-Terminen. Sein seriöses Auftreten und sein wahnsinniges Know-How kamen bei den VC-Partnern gut an.

Daher mein Tipp: Sucht euch einen erfahrenen Business Angel und nehmt ihn mit zu Pitch-Präsentationen. 😉

Schnell konnten wir zwei VC-Partner von unserem Konzept und von dem Gründerteam überzeugen, so dass wir einen Term Sheet bei beiden unterzeichneten. Ein Term Sheet ist ein Vertragsdokument, dass häufig in der Investorenszene zum Einsatz kommt. Das Dokument dient als Grundlage für die Formulierung eines späteren Vertrages.

Die Abschlussphase

Von Anfang an spielten wir mit offenen Karten und wollten beide VC-Partner inklusive der drei Business Angels ins Boot holen. Ein schwieriges Unterfangen, wie sich nachher herausstellte, da VC-Partner in einer ersten Finanzierungsrunde eigentlich immer „Lead-Investor“ sein möchten. Allein die Vertragsgestaltung zwischen ihnen hatte sich einige Monate hingezogen. Am Ende waren wir uns mit einem VC-Partner einig. Einige Wochen später konnten wir nach mehreren Abstimmungsrunden alle Vertragsdokumente (Beteiligungsvertrag) unterzeichnen und die neue Firma beim Notar eintragen.

Die Spielregeln

Die Auszahlung der Gesamt-Investitionssumme erfolgt in verschiedenen Tranchen und ist an Meilensteine gebunden, die im Vertrag definiert worden sind. Ein Meilenstein kann zum Beispiel ein bestimmtes Umsatzziel sein, oder die Einstellung neuer Mitarbeiter.

Monatlich erhalten unsere Investoren ein umfangreiches Reporting über Finanzkennzahlen, Metriken und Personal. Quartalsweise findet ein Treffen statt, auf dem detailliert über die letzten Monate und die nächste Schritte gesprochen wird. Glücklicherweise pflegen wir zu unseren Investoren ein sehr offenes und vertrauensvolles Verhältnis. Jeder unserer Partner unterstützt uns mit seinem Know-How.

Der gesamte Prozess zog sich über 4 Monate hin. Nach Aussage einiger Gründer-Kollegen ist dies eine ganz übliche Dauer von der ersten Kontaktaufnahme eines VC-Unternehmens bis zum Vertragsabschluss.

Unser Fazit

In der Zeit hat das Gründerteam enorm viel dazu gelernt. Um den Ablauf einer Investitionsrunde zu verstehen, mussten wir uns eigenständig sehr intensiv in die Thematik einarbeiten. Bei der Prüfung der Verträge haben wir uns von Juristen beraten lassen.

Wir freuen uns, dass es seit dem 01.09.2013 nun endlich läuft und wir in Kürze eine marktreife Software haben. In den nächsten Wochen werden wir regelmäßig über die Unternehmensentwicklung und über unsere Erkenntnisse berichten. ​

Wir interessieren uns auch für deine Story. Wenn du dich mit uns austauschen möchtest schreibe mir eine Mail an sascha@247grad.de.

Stay tuned for more!

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