17. Januar 2013

Graph Search – Facebooks neuestes Killer-Feature (?)

Lars Ofterdinger Author: Lars Ofterdinger Kategorie: Facebook

Zugegeben, wir haben uns geirrt. Nicht das von uns prognostizierte Thema “Social Commerce” wurde Thema des Facebook-Events, sondern die so genannte “Graph Search”.

Um erst einmal zu umreißen, was sich hinter diesem Namen verbirgt, haben die Damen und Herren von Facebook ein kleines Promo-Video veröffentlicht.

Die Graph Search ist damit zum einen Facebooks Vorstoß in das im letzten Jahr aufgekommene Thema Social Seach, zum anderen ein Werkzeug des Netzwerks, mit dem die immensen Datenmengen der Facebook User halbwegs übersichtlich aufgearbeitet und genutzt werden können.

In der Praxis wird der Social Search dann so aussehen: Über die normale Facebook-Suche können ganze Sätze wie “Welche meiner Freunde mögen Zahnwurzelbehandlungen?” oder “Bilder von Berlin aus dem Jahr 1990″ eingegeben werden. Diese werden dann von Facebooks Graph Search semantisch durchsucht. Das bedeutet, dass die Suche nicht stumpf nach einzelnen Schlagworten scant, sondern “versteht” was der Nutzer sucht. Diese Technik ist schon durch beispielsweise Wolfram Alpha, oder Apples darauf aufbauendem Siri bekannt.

Die Ergebnisse der Suche sind speziell auf den Benutzer individualisiert. Das hängt vor allem an der Masse der persönlichen Daten bzw. den persönlichen Verbindung die man über das Netzwerk aufgebaut hat. Dabei gilt allerdings: Was des Nutzers Glück, ist der Technik Schaden. Durch den hohen Grad der Individualität kann Graph Search nur in sehr begrenztem Rahmen auf Caching-Methoden zurückgreifen. Das hat hohe Anforderungen an Datenbanken und Server zur Folge.

Die hohe Last auf die technische Infrastruktur ist vielleicht auch einer der Gründe, warum Graph Search (wie bei t3n.de beschrieben) sehr langsam ausgerollt werden soll. Dabei beschränkt sich Graph Search in der momentanen Beta-Phase sogar nur auf die Daten, die aus Personen, Fotos, Orten und Interessen herausgefunden werden können. Seiten, Gruppen, Freundschaften und was das soziale Netzwerk sonst noch zu bieten hat, werden wohl erst in späteren Versionen folgen. Diejenigen unter euch, die es gar nicht mehr abwarten können, können sich übrigens hier auf einer Warteliste registrieren und damit wahrscheinlich ein paar Wochen vor dem offiziellen Roll-Out in das Tool reinschauen können.

Dass eine Technik wie Graph Search Datenschützer auf dem Plan rufen wird, ist natürlich auch den Damen und Herren aus Palo Alto klar. Daher wurde extra ein Video gedreht, was die Grenzen der Graph Search hinsichtlich den persönlichen Daten behandelt.

Kurz gesagt: es können nur die persönlichen Daten von Graph Search ausgelesen werden, die für den jeweiligen Nutzer auch ohnehin einsehbar wären.

Einen Knackpunkt hat die Sache dennoch. Handlungen die vor einiger Zeit in das soziale Netzwerk eingestellt wurden und mittlerweile in Vergessenheit geraten sind, können über Graph Search sehr viel einfacher ausgelesen und damit wiederentdeckt werden. So manch einer wird sich wahrscheinlich wundern, was da noch alles über ihn zum Vorschein kommt. Ein paar besonders skurrile (und zugegeben: teilweise auch sehr lustige) Beispiele, wurden von den Kollegen von gizmodo.com zusammengetragen.

Graph Search – Unser Eindruck

Graph Search wird sowohl im Chaos der sozialen Netzwerke, als auch im Facebook Marketing eine entscheidende Rolle einnehmen. Andere, spezialisierte Netzwerke müssen umso mehr mit Qualität überzeugen um gegenüber der personalisierten Suche des Netzwerkriesen nicht ins Hintertreffen zu geraten. Für Marketer wird es interessant sein, Firmen in vielen Suchergebnissen der Graph Search gelistet zu haben um die Omnipräsenz des Unternehmens zu fördern. Außerdem bleibt abzuwarten, ob Facebook nicht in absehbarer Zukunft das Thema Social Commerce doch noch auf den Plan ruft und Graph Search somit auch zu einem nicht zu unterschätzendem Shopping-Tool avanciert. Potenzial gibt es bei den riesigen Datenmengen, auf die Graph Search zugriff hat, definitiv genug!

Ein Problem sehen wir bei Graph Search allerdings. War es bis jetzt so, dass das Damoklesschwert der falschen Privatsphären-Einstellung weitgehend harmlos über unseren Köpfen hing, könnte das mit Graph Search zum Verhängnis werden. Da die Daten einfacher zu durchsuchen sind, ist auch die Wahrscheinlichkeit höher, dass andere Nutzer ungewünschte Daten zu Gesicht bekommen. Platt ausgedrückt: Die Grube, die man sich selbst durch falsche Privatsphären-Einstellungen gräbt, wird durch Graph Search deutlich tiefer!

Wie immer sind wir aber natürlich auch an eurer Meinung interessiert! Was haltet ihr von der neuen Graph Search? Nützlich, oder doch überflüssig? Oder gar gefährlich? Schreibt uns in den Kommentaren eure Meinung!

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